Warum Dünnblechbauteile leicht Schweißverformungen entwickeln: Wärmeeintrag, Schrumpfung und Steifigkeit
Eine Schweißnaht kann optisch einwandfrei sein, während sich das Bauteil dennoch nicht montieren lässt: Der Türrahmen ist uneben, die Diagonalen des Gehäuses stimmen nicht überein, der Boden weist Wellen auf oder der Flansch hat sich nach dem Schweißen verzogen. Bei der Nacharbeit an geschweißten Dünnblechbauteilen liegt die Ursache häufig zunächst in einer unkontrollierten Form und Maßhaltigkeit und nicht unbedingt in inneren Schweißnahtfehlern. Schweißverformungen dürfen nicht erst nach dem Schweißen durch Hämmern behoben werden; Vorrichtung, Schweißnahtanordnung und Schweißreihenfolge legen bereits vor dem Zünden des Lichtbogens einen Großteil des Risikos fest.
Beim Schweißen werden die Schweißnaht und die angrenzenden Bereiche lokal schnell erwärmt und abgekühlt, wodurch ein ungleichmäßiges Temperaturfeld entsteht. Das Metall dehnt sich bei Erwärmung aus und schrumpft beim Abkühlen wieder. Wird diese Schrumpfung durch Bleche, Verstärkungen oder Vorrichtungen behindert, wandelt sie sich in Eigenspannungen und bleibende Verformungen um. Dünnblechbauteile besitzen selbst eine geringe Steifigkeit und können Biegung, Winkelverformung und Instabilität nur begrenzt widerstehen. Daher sind Formänderungen meist deutlicher, wenn dieselbe Schweißwärme auf einen kleineren Bereich konzentriert wird.
Das Ergebnis wird nicht nur vom Schweißstrom beeinflusst. Lichtbogenspannung, Schweißgeschwindigkeit, Wärmeeintrag pro Längeneinheit, Anzahl und Querschnitt der Schweißnähte sowie durchgehendes oder intermittierendes Schweißen verändern ebenfalls das Schrumpfmaß und die Wärmeverteilung. Auch die thermophysikalischen Eigenschaften des Werkstoffs, Blechdicke, Bauteilsteifigkeit, Montagespalt, Anordnung der Heftnähte und das Schweißprogramm wirken zusammen. Mehr Schweißnähte oder größere Nahtabmessungen bedeuten nicht automatisch eine stabilere Konstruktion. Eine zu starke Wärmekonzentration kann vielmehr das Risiko von Biegung und Verwindung erhöhen.
Bei der Prozessprüfung sollten daher gleichzeitig Schweißnahtzeichnung, Bauteilsteifigkeit, Montagebezüge und Anforderungen an die Messung nach dem Schweißen betrachtet werden: Für welche Maße darf ein Schrumpfaufmaß vorgesehen werden, an welchen Stellen sind Gegenvorverformungen oder Abstützungen erforderlich und welche Flächen müssen eben bleiben? Nur wenn diese Anforderungen in die Prozessdokumentation aufgenommen werden, lässt sich die Schweißverformung von Dünnblechbauteilen von einem Problem der Nacharbeit nach dem Schweißen in eine kontrollierbare Aufgabe der Konstruktions-, Montage- und Schweißphasen überführen.
Zuerst den Typ der Schweißverformung bei Dünnblech bestimmen: Schrumpfung, Biegung, Winkelverformung, Welligkeit und Verwindung
Wenn ein Dünnblechbauteil nach dem Schweißen außerhalb der Toleranz liegt, besteht der erste Schritt nicht darin, sofort zu hämmern oder zu erwärmen, sondern zunächst die Art der Verformung zu bestimmen. Längs- und Querschrumpfung zeigen sich gewöhnlich in zu kleinen Längen- oder Breitenmaßen beziehungsweise zu geringen Abständen zwischen Bohrungen. Sie stehen häufig mit dem Schrumpfmaß der Schweißnähte, der Anzahl der Schweißnähte und den Montagezugaben in Zusammenhang. Eine Gesamtbiegung zeigt sich dagegen als Aufwölbung oder Durchbiegung des Bauteils entlang seiner Längsrichtung und tritt häufig bei außermittig angeordneten Schweißnähten oder asymmetrischer Wärmeverteilung auf.
Praxisbewertung von Schweißverformungen bei Dünnblechbauteilen
| Verformungsarten | Erscheinungsbild vor Ort und häufige Ursachen | Vorrangige Maßnahmen zur Kontrolle | Grenzen der Korrektur nach dem Schweißen |
|---|---|---|---|
| Längs- und Querschrumpfung | Unzureichende Länge oder Breite, zu geringe Abstände zwischen Bohrungen und Schnittstellen; besonders deutlich bei durchgehenden Schweißnähten, großen Querschnitten oder unzureichenden Bearbeitungszugaben | In der Zuschnitt- und Montagephase Schrumpfungszugaben vorsehen und durch Probeschweißen bestätigen | Unzureichende Gesamtabmessungen lassen sich in der Regel nur schwer durch lokale Korrekturen wiederherstellen |
| Winkelverformung | Veränderung des Winkels zwischen den beiden Seiten eines Blechteils; häufig bei einseitigem Schweißen, versetzter Schweißnaht oder ungleichmäßiger Erwärmung beider Seiten | Symmetrisches Schweißen, angemessene Gegenverformung, gleichmäßige Unterstützung und Heftschweißen zur Positionierung | Lokale Winkelverformungen können durch mechanisches Richten oder Flammrichten korrigiert werden; dabei sind Werkstoff und Oberflächenzustand zu bewerten |
| Wellenverformung | Großflächige dünne Bleche weisen Welligkeiten auf; dies tritt leicht auf, wenn der Wärmeeintrag örtlich konzentriert ist, große Freiheitsgrade bestehen oder die Unterstützung unzureichend ist | Wärmeeintrag kontrollieren, Schweißbereiche verteilen, angemessene zusätzliche Unterstützung vorsehen und lange durchgehende Schweißnähte reduzieren | Lokale Welligkeiten können korrigiert werden, jedoch sind Druckstellen, Knicken und wiederholte Nacharbeiten zu vermeiden |
| Verdrehung und Gesamtkrümmung | Die Diagonalen eines Rahmens sind nicht gleich, Flanschecken oder die Achse eines Bauteils sind abgelenkt; eine unausgewogene Anordnung der Schweißnähte und Schweißreihenfolge sind häufige Ursachen | Position der Schweißnähte, Bauteilsteifigkeit und Schweißreihenfolge anpassen, damit sich die Schrumpfungen möglichst gegenseitig aufheben | Lokale Krümmungen können gezielt bearbeitet werden; bei einer Gesamtverdrehung ist zunächst zu bestätigen, ob die Montagefunktion und die Bezugsgeometrie noch wiederhergestellt werden können |
Bei der Beurteilung sollte zwischen „unzureichender Maßschrumpfung“ und „lokaler Formverformung“ unterschieden werden. Ersteres sollte vorrangig in den Phasen Zuschnitt, Biegen und Montage gelöst werden; Letzteres eignet sich für die Diskussion einer Richtkorrektur nach dem Schweißen. Mechanisches Richten kann Druckstellen hinterlassen oder Kaltverfestigung verursachen, während das Flammrichten durch die Plastizität des Werkstoffs sowie durch Beschichtungen und Lackierungen begrenzt wird. Nach jeder Bearbeitung müssen die kritischen Maße anhand der Zeichnungsbezüge erneut gemessen werden. „Sieht eben aus“ darf nicht an die Stelle eines Abnahmeprotokolls treten.
Wie sich Schweißverformungen bei Dünnblechbauteilen bereits in der Konstruktionsphase reduzieren lassen
Schweißverformungen bei Dünnblechbauteilen werden häufig bereits beim Zuschnitt und bei der Zeichnungserstellung vorprogrammiert. Wenn die Schweißnähte auf einer Seite konzentriert sind, mehrere Schweißnähte einander kreuzen oder die Schweißnähte weit von der neutralen Achse des Bauteilquerschnitts entfernt liegen, kann sich die Schrumpfung nach dem Schweißen leichter in Biegung, Verwindung und Winkelverformung umwandeln. Bei der Konstruktionsprüfung sollte daher nicht nur beurteilt werden, ob die Schweißnähte die Festigkeitsanforderungen erfüllen, sondern auch, wie die Wärme verteilt wird, ob die Schrumpfmomente ausgeglichen sind und ob das Bauteil nach dem Schweißen weiterhin montiert und geprüft werden kann.
Schweißverformungen bei Dünnblechbauteilen durch Anzahl und Anordnung der Schweißnähte reduzieren
Entfernen Sie zunächst Schweißnähte ohne eindeutig definierte Funktion und vermeiden Sie es, eine unzureichende Konstruktionsauslegung durch übergroße Schweißnahtabmessungen zu ersetzen. Die Schweißnahtabmessungen müssen gleichzeitig den Anforderungen an Tragfähigkeit, Dichtheit, Aussehen und Fertigung entsprechen; „mehr schweißen bedeutet höhere Festigkeit“ ist keine zutreffende Schlussfolgerung. Unter Beibehaltung der erforderlichen Funktion helfen eine Verringerung der Länge durchgehender Schweißnähte, die Vermeidung unnötiger Nahtkreuzungen und eine möglichst symmetrische Anordnung gegenüberliegender Schweißnähte dabei, die Schrumpfeinflüsse zu verteilen. Bei leicht biegsamen Blechteilen kann geprüft werden, ob die Schweißnähte näher an die neutrale Achse des Querschnitts gelegt oder exzentrische Momente durch symmetrische Verbindungen auf beiden Seiten reduziert werden können. Die konkrete Schweißnahtausführung muss weiterhin unter Berücksichtigung der Belastung der Verbindung, der Blechdicke, der Zugänglichkeit für den Schweißbrenner und der Anforderungen an die Schweißnahtqualität festgelegt werden.
Schweißverformungen durch eine sinnvolle Aufteilung der Bauteile und Prüfbarkeit beherrschen
Wenn eine Baugruppe eine großflächige Bodenplatte, einen langen Rahmen und mehrere Verstärkungselemente umfasst, sollte nicht standardmäßig von einer einmaligen Montage und einem einmaligen vollständigen Verschweißen ausgegangen werden. Abhängig von Bezugsflächen und funktionalen Schnittstellen kann die Struktur in kleinere, leichter zu positionierende Einzelteile oder Unterbaugruppen aufgeteilt werden. Dadurch lassen sich die Wärmeansammlung und der Bereich der freien Schrumpfung beim einzelnen Schweißvorgang leichter kontrollieren. Bei der Aufteilung müssen gleichzeitig Positionierbohrungen, Flansche, Montageflächen und der Arbeitsraum für nachfolgende Schweißnähte geprüft werden, damit nicht zur Vermeidung von Verformungen neue unzugängliche Montagestellen entstehen.
Vorrichtungen, Montage und Schweißreihenfolge: Dünnblech-Schweißverformungen bereits vor dem Schweißen beherrschen
Wenn Flansche nach dem Schweißen hochstehen, die Diagonalen eines Rahmens voneinander abweichen oder die Bodenplatte Wellen aufweist, lässt sich dies häufig nicht allein durch nachträgliches Ausklopfen beheben. Vorrichtung, Heftschweißungen und Hauptschweißreihenfolge legen bereits vor dem Zünden des Lichtbogens fest, wie sich die Wärmeschrumpfung ausgleichen kann. Die Vorrichtung sollte als Werkzeug zur Prozesskontrolle und nicht nur als Hilfsmittel zum Festspannen der Bauteile betrachtet werden.
Bezugsflächen, Auflagepunkte und Spannpositionen
Bei der Montage sind zunächst die Bezugsflächen, die Positionen der wichtigen Bohrungen und die Flanschpositionen festzulegen; anschließend werden Auflage- und Spannpunkte angeordnet. Die Auflagen sollten Bereiche abdecken, die leicht instabil werden, während die Spannkraft dem Anliegen und Positionieren dienen muss und nicht einfach nach dem Prinzip „je fester, desto besser“ gewählt werden darf. Eine übermäßige Zwangsfixierung kann die Wärmeschrumpfung behindern, sodass die äußere Verformung vorübergehend unterdrückt wird, während sich das Risiko von Eigenspannungen, Rückfederung nach dem Lösen der Spannvorrichtung oder lokaler Instabilität erhöht. Die Prozessdokumentation sollte außerdem Anzahl, Positionen und Reihenfolge der Heftschweißungen eindeutig festlegen, damit die Heftschweißungen selbst keine neue Schrumpfungskonzentration verursachen.
| Kontrollmaßnahmen | Hauptwirkung | Einsatzgrenzen |
|---|---|---|
| Schrumpfzugabe | Ausgleich der Längs- oder Querschrumpfung | Muss beim Zuschnitt, Biegen oder Montieren festgelegt werden; es darf nicht erwartet werden, dass die Länge nach dem Schweißen durch Ausklopfen wiederhergestellt werden kann |
| Gegenverformung | Vorhersehbare Winkelverformung oder Durchbiegung vorab ausgleichen | Muss durch Probeschweißen und Messungen verifiziert werden; ein fester Winkel darf nicht direkt übernommen werden |
| Starres Fixieren | Die Montageposition beibehalten und die freie Verformung begrenzen | Das Rückfedern und die Eigenspannungen nach dem Lösen der Spannvorrichtungen müssen berücksichtigt werden |
Die Schweißreihenfolge muss die Wärme- und Schrumpfverteilung berücksichtigen
Die Reihenfolge der Hauptschweißungen sollte unter Berücksichtigung der Verbindungsart, der Zugänglichkeit des Schweißbrenners, der Durchgängigkeit der Schweißnaht und der Struktursteifigkeit festgelegt werden. Symmetrisches Schweißen, abschnittsweises Schweißen, Wechselschweißen oder Rückwärtsschweißen eignen sich dazu, die lokale Wärmeeinbringung zu verteilen und die Schrumpfung in entgegengesetzte Richtungen auszugleichen, können jedoch nicht bei allen Strukturen direkt angewendet werden. Bei kurzen Schweißnähten kann die Wärmequelle zunächst versetzt werden; Bereiche mit höherer Steifigkeit können abwechselnd mit freien Kanten geschweißt werden. Gleichzeitig ist sicherzustellen, dass die Unterteilung nicht zu unvollständigem Durchschweißen, Verbindungsfehlern oder einem instabilen Nahtbild führt. Auch die Reihenfolge des Lösens der Spannvorrichtungen sollte in der Arbeitsanweisung festgehalten werden. In der Regel werden zunächst die kritischen Maße und der Zustand der Schweißnähte geprüft, anschließend werden die Zwangsbedingungen gemäß Vorgabe gelöst und eine erneute Messung durchgeführt.
Wie misst man Verformungen beim Schweißen von Dünnblechen: von der Bezugsermittlung bis zur Entscheidung über Nacharbeit
Dass ein Dünnblechbauteil nach dem Schweißen „im Wesentlichen eben aussieht“, bedeutet nicht, dass es maßhaltig ist. Bei einem Türrahmen können die Diagonalen voneinander abweichen, ein Flansch kann insgesamt verschoben sein und Bohrungen lassen sich aufgrund der Schweißschrumpfung möglicherweise nicht mit benachbarten Bauteilen montieren. Daher sollte die Messung der Schweißverformung bereits mit der Erfassung der Bezugspunkte vor dem Schweißen beginnen und nicht erst nach einem Montagefehler.
Was ist bei Verformungen von Dünnblechen zuerst zu messen: Bezugspunkte und kritische Maße
Vor dem Schweißen sind zunächst die Bezugsflächen, Bezugskanten und Positionierbohrungen der Zeichnung zu bestätigen. Außerdem sind Material, Blechdicke, wesentliche Außenmaße, Bohrungspositionen, Flanschpositionen, Winkel und Diagonalen zu erfassen. Nach dem Schweißen werden im in der Zeichnung oder den Arbeitsunterlagen vorgeschriebenen Abkühlzustand unter Verwendung derselben Bezugspunkte Ebenheit, Gesamtkrümmung, Winkel, Diagonalen, Bohrungspositionen und Flanschversatz erneut gemessen. Wenn das Bauteil in der Vorrichtung zurückfedern kann, sind der Zustand im eingespannten Zustand und das Ergebnis nach dem Lösen der Spannvorrichtungen getrennt zu dokumentieren.
Womit werden Verformungen beim Schweißen von Dünnblechen gemessen: Das Messmittel muss zur Toleranz passen
Bei gewöhnlichen Blechbauteilen können entsprechend den Maß- und Toleranzanforderungen Fühlerlehren, Stahllineale, Winkelmesser, Messschieber, Lehren oder Messuhren verwendet werden. Bei größeren oder geometrisch komplexen Bauteilen können bei Bedarf Koordinatenmessgeräte oder 3D-Scanner eingesetzt werden. Die Auswahl der Messmittel darf nicht losgelöst von den Abnahmeanforderungen erfolgen: Eine in der Zeichnung nicht definierte „Ebenheit“ oder „Senkrechtstellung“ darf nicht vom Prüfpersonal eigenständig per Sichtprüfung ausgelegt werden. 3D-Scans eignen sich zur Erfassung der Abweichung der Gesamtform; die Ergebnisse müssen jedoch weiterhin auf die Zeichnungsbezüge und die vom Kunden bestätigten geometrischen Anforderungen bezogen werden.
- Vor dem Schweißen: Bezugspunkte, kritische Maße und Montageschnittstellen erfassen und die ursprünglichen Messwerte aufbewahren.
- Nach dem Schweißen: Den Abkühlzustand bestätigen und Ebenheit, Winkel, Diagonalen, Bohrungspositionen und Flanschposition anhand derselben Bezugspunkte erneut messen.
- Bewertung: Die Messwerte mit der Zeichnung, der Kundenspezifikation oder den von beiden Parteien bestätigten geometrischen Toleranzen vergleichen und die Bewertung der Schweißnahtqualität getrennt von der Maßbewertung dokumentieren.
- Außerhalb der Toleranz: Zunächst Art und Position der Verformung kennzeichnen, anschließend über Nacharbeit, Richten oder Ausschuss entscheiden. Nach dem Richten müssen die kritischen Maße und die Montagefunktion erneut geprüft werden.
Der Messbericht sollte mindestens die Bauteilnummer, das Messdatum, den Bediener, das Messmittel, die Beschreibung der Bezugspunkte, die Messwerte, das Bewertungsergebnis und den Nacharbeitsstatus enthalten. Nur so lassen sich sporadische Spannprobleme von serienmäßigen Prozessproblemen unterscheiden. Außerdem liefert dies eine Grundlage für die spätere Anpassung der Schweißreihenfolge, der Vorrichtungsabstützung und der vorgesehenen Schrumpfzugaben.
Wie werden Maßüberschreitungen nach dem Schweißen korrigiert: Mechanisches Richten, Flammrichten und geschlossener Prüfkreislauf
Wenn das Erscheinungsbild der Schweißnaht den Anforderungen entspricht, die Maße jedoch außerhalb der Toleranz liegen, sollte nicht vorschnell mit Hammerschlägen oder einer Flamme „plangeformt“ werden. Zunächst sind die Art der Verformung, Material und Blechdicke, der Oberflächenzustand sowie die Auswirkungen der Maßüberschreitung auf Bohrungspositionen, Flansche und Montagefunktion zu prüfen. Ein durch eine globale Längs- oder Querschrumpfung verursachter Längenmangel kann in der Regel nicht durch nachträgliches lokales Richten ausgeglichen werden. Wenn beim Zuschnitt und bei der Montage keine Zugabe vorgesehen wurde, lässt sich die Nacharbeit möglicherweise nur durch eine Umarbeitung oder eine Neuanfertigung lösen.
Anwendungsgrenzen für mechanisches und thermisches Richten
Lokale Winkelverformungen, Biegungen und teilweise Wellenverformungen können für ein mechanisches Richten bewertet werden. Pressen, spezielle Vorrichtungen oder kontrolliertes Klopfen können die lokale Form verändern; bei dünnen Blechen können jedoch leicht Druckstellen, lokale Ausbeulungen oder neue Unebenheiten entstehen. Wiederholte Kaltverformung kann zudem zu Kaltverfestigung führen und die plastische Verformbarkeit des Materials verringern. Das thermische Richten beruht auf kontrollierter lokaler Erwärmung und Abkühlung, durch die eine Schrumpfung erzeugt wird. Die Erwärmungsbereiche und das Prozessfenster müssen von Personen festgelegt werden, die mit dem Verhalten des Materials vertraut sind. Materialien mit geringer Duktilität, hoher Wärmeempfindlichkeit oder mit Beschichtungen bzw. Überzügen müssen zunächst hinsichtlich möglicher Eigenschaftsänderungen, Oberflächenschäden und Sicherheitsrisiken bewertet werden. Einheitliche Temperaturvorgaben oder standardisierte Vorgehensweisen dürfen nicht ungeprüft angewendet werden.
Nach dem Richten müssen Bauteile aus dünnem Blech erneut geprüft werden
Nach jedem Richtvorgang müssen Ebenheit, Winkel, Diagonalen, die Gesamtdurchbiegung, Lochpositionen und die Lage der Flansche anhand der vor dem Schweißen festgelegten Bezugsgrößen erneut geprüft werden. Außerdem sind eine tatsächliche Montage oder eine Funktionsprüfung durchzuführen. Bei der Bewertung muss zwischen der Schweißnahtqualität und den geometrischen Abmessungen unterschieden werden: Eine einwandfreie Schweißnaht bedeutet nicht, dass die Bauteilgeometrie ebenfalls einwandfrei ist. Treten Oberflächenbeschädigungen durch Druck, Schäden an Beschichtungen oder Überzügen, Verformungen an Lochrändern oder ein Rückfedern nach dem Richten auf, muss die weitere Krafteinleitung unterbrochen und der Umfang einer Nacharbeit neu bewertet werden.
- Arbeitskarte: Material und Blechdicke, Schweißnahtanordnung, Bezugsgrößen für die Positionierung, Auflagepunkte der Vorrichtung sowie Reihenfolge von Heft- und Hauptschweißungen dokumentieren.
- Gleichzeitig die nach dem Schweißen zu prüfenden Messgrößen, die Entscheidung über Freigabe oder Nacharbeit, das angewandte Richtverfahren, die Anzahl der Richtvorgänge sowie die Ergebnisse der Nachprüfung dokumentieren.
- Abweichungen und die Wirksamkeit des Richtens in die Bewertung der Konstruktion, der Vorrichtung oder der Schweißreihenfolge für die nächste Charge zurückführen, anstatt die Nacharbeitsergebnisse nur im Prüfprotokoll festzuhalten.
Häufige Fragen zur Vermeidung und Korrektur von Schweißverzug bei Bauteilen aus dünnem Blech
Eine einwandfreie Schweißnahtoptik bei Bauteilen aus dünnem Blech bedeutet nicht zwangsläufig, dass die geometrischen Abmessungen ebenfalls innerhalb der Toleranz liegen. Die folgenden Fragen müssen unter Berücksichtigung der Zeichnungsbezüge, des Materialzustands, der Schweißnahtanforderungen und der tatsächlichen Messergebnisse beurteilt werden. Einheitliche Parameter können keine Prozessvalidierung ersetzen.
Was ist zu tun, wenn die Schweißnaht einwandfrei, das Bauteil aus dünnem Blech jedoch außerhalb der Maßtoleranz liegt?
Zunächst ist zu unterscheiden, ob es sich um Gesamtschrumpfung, Winkelverformung, Biegung, Wellenverformung oder Verwindung handelt. Anschließend sind die wichtigen Maße anhand der Zeichnungsbezüge erneut zu prüfen. Eine durch Gesamtschrumpfung verursachte unzureichende Länge oder eine zu geringe Lochposition ist in der Regel auf das Aufmaß beim Zuschnitt, die Montagebezüge und die Schweißreihenfolge zurückzuführen. Nur bei lokaler Verformung sollte ein mechanisches oder thermisches Richten bewertet werden. Schweißnahtqualität und geometrische Abmessungen sind getrennt zu beurteilen.
Verringert eine steifere Vorrichtung den Schweißverzug bei dünnen Blechen zwangsläufig?
Nicht unbedingt. Eine Vorrichtung kann die Formänderung während des Schweißens begrenzen, doch eine übermäßige Einspannung kann die Eigenspannungen erhöhen und nach dem Lösen der Vorrichtung ein Rückfedern verursachen. Bezugsgrößen für die Positionierung, Auflagepunkte, Spannpositionen und die Reihenfolge des Lösens müssen eindeutig festgelegt werden. Entscheidend ist die Prüfung der Abmessungen nach dem Lösen der Vorrichtung und nicht das bloße Streben nach einer höheren Spannkraft.
Kann die durch Schweißschrumpfung verursachte Maßabweichung nach dem Schweißen durch Klopfen oder Richten ausgeglichen werden?
Eine durch Gesamtschrumpfung verursachte unzureichende Länge kann in der Regel nicht einfach „zurückgeklopft“ werden. Mechanisches Richten eignet sich eher für bestimmte lokale Winkelverformungen, Biegungen und Wellenverformungen. Unsachgemäße Vorgehensweisen können außerdem Druckstellen, lokale Ausbeulungen oder Kaltverfestigung verursachen. Ob eine Nacharbeit erforderlich ist, muss anhand des Aufmaßes, der Duktilität des Materials und der Montagefunktion bewertet werden.
Welche Prozessschritte sollten bei einer Wellenverformung vorrangig geändert werden?
Zunächst ist zu prüfen, ob die Schweißnähte zu stark konzentriert sind, ob sich der Wärmeeintrag lokal kumuliert, ob die Abstützung angemessen ist und ob die Abschnittsbildung oder Schweißreihenfolge eine kontinuierliche einseitige Schrumpfung verursacht. Auf Grundlage von Probeschweißungen und Messungen können die Schweißnahtanordnung, die Schweißrichtung, die Abschnittsbildung oder das Abstützkonzept angepasst werden. Gleichzeitig ist sicherzustellen, dass Einbrand, Nahtausbildung und Vollständigkeit der Schweißnähte nicht beeinträchtigt werden.
Welche Punkte müssen nach dem Richten von Bauteilen aus dünnem Blech erneut geprüft werden?
Mindestens die in der Zeichnung festgelegte Ebenheit, Winkel, Diagonalen, Gesamtdurchbiegung, Lochpositionen und Flanschpositionen müssen erneut gemessen werden. Außerdem sind die Montagebezüge, Druckstellen an der Oberfläche, lokale Ausbeulungen sowie Schäden an Beschichtungen oder Überzügen zu prüfen. Verformungsart, Richtverfahren und Ergebnisse der Nachprüfung sind zu dokumentieren, damit sie als Grundlage für die Optimierung der Vorrichtungen und der Schweißreihenfolge bei der nächsten Charge dienen können.
Key takeaways
- Schweißverformungen bei Dünnblechbauteilen entstehen durch das Zusammenwirken lokaler Wärmezyklen und der Bauteilsteifigkeit. Ziel der Kontrolle ist es, die Verformung innerhalb der Zeichnungsanforderungen stabil zu beherrschen, nicht ihre vollständige Beseitigung zu versprechen.
- Schrumpfung, Winkelverformung, Welligkeit, Biegung und Verwindung müssen getrennt bewertet werden und dürfen nicht mit derselben Vorrichtung oder Korrekturmethode behandelt werden.
- Anzahl, Querschnitt, Position und Symmetrie der Schweißnähte beeinflussen bereits in der Konstruktionsphase das spätere Verformungsrisiko.
- Die Vorrichtung muss Bezugsflächen, Auflagepunkte, Spannpositionen und die Reihenfolge des Lösens der Spannmittel eindeutig festlegen. Eine starre Fixierung kann die Kontrolle von Wärmeeintrag und Schweißreihenfolge nicht ersetzen.
- Vor der Korrektur nach dem Schweißen muss die Verformung zunächst gemessen und ihr Typ bestimmt werden. Nach der Korrektur sind die kritischen Abmessungen erneut zu messen; außerdem sind Ursache und Ergebnis der Nacharbeit zu dokumentieren.




